{"id":2408,"date":"2014-06-19T21:41:14","date_gmt":"2014-06-19T19:41:14","guid":{"rendered":"http:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/?p=2408"},"modified":"2014-12-18T09:05:37","modified_gmt":"2014-12-18T08:05:37","slug":"vaetternrunde-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/vaetternrunde-2014\/","title":{"rendered":"V\u00e4tternrunde 2014"},"content":{"rendered":"<h1>V\u00e4tternrundan, die dritte<\/h1>\n<p>Da es uns im Gegensatz zum Vorjahr diesmal gelungen war, eine von \u00fcber 20000 Nummerlappar (schwedisch f\u00fcr Startnummern) f\u00fcr unser Vorhaben \u201efamily and friends\u201c zu ergattern, fieberten wir unserm Start bei der 49. V\u00e4tternrunde entgegen. Nachdem der friend kurzfristig hatte absagen m\u00fcssen, blieb die vierk\u00f6pfige family mit Sohn Martin, Bruder Wolfgang und Neffen Lukas \u00fcbrig. Lukas sollte uns hier etwas ziehen, wenn wir Probleme bekommen sollten, doch es kam alles ganz anders &#8211; leider.<\/p>\n<p>Die V\u00e4tternrunde ist gemessen an der Teilnehmerzahl die gr\u00f6\u00dfte Radsportveranstaltung der Welt f\u00fcr Amateur-Radsportler und einer der schwedischen Klassiker, wozu auch der Wasalauf und ein Langstreckenschwimmen geh\u00f6ren. Auf einem exakt 300 km langen Kurs wird dabei der zweitgr\u00f6\u00dfte See Schwedens und sechstgr\u00f6\u00dfte See Europas \u2013 der V\u00e4tternsee \u2013 im Uhrzeigersinn umrundet. Die Karte zeigt die Tour von 2007, die Kilometrierung hat sich nur geringf\u00fcgig ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Tourkarte1.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-2486 aligncenter lazyload\" data-src=\"http:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Tourkarte1-185x300.jpg\" alt=\"Tourkarte\" width=\"274\" height=\"444\" data-srcset=\"https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Tourkarte1-185x300.jpg 185w, https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Tourkarte1-634x1024.jpg 634w, https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Tourkarte1-99x160.jpg 99w\" data-sizes=\"(max-width: 274px) 100vw, 274px\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" style=\"--smush-placeholder-width: 274px; --smush-placeholder-aspect-ratio: 274\/444;\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der ganze Mittwoch ging f\u00fcr die Anreise drauf. 6 Stunden mit der F\u00e4hre \u00fcber die Ostsee und anschlie\u00dfend noch 400 km nach Norden im gem\u00fctlichen schwedischen Reisetempo von 110 km\/h fordern viel Zeit. Kurz nach Mitternacht kamen wir im Dunkeln im Startort Motala an, einer sonst verschlafenen Kleinstadt. Wir steuerten den Zeltplatz an, der noch wie ausgestorben war. Diesmal waren wir wesentlich zeitiger da als bei unseren vorangegangenen zwei Teilnahmen. So fanden wir einen wundersch\u00f6nen Platz direkt am See. Ein Bootssteg befand sich quasi vor dem Zelteingang. Wenn ich hier von Zeltplatz rede, dann stimmt das nicht ganz. Zur V\u00e4tternrunde wird rings um Motala jede gr\u00f6\u00dfere Wiese in einen Zeltplatz umgewandelt. Sanit\u00e4re Anlagen gibt es nur eingeschr\u00e4nkt (Dixies), aber wozu auch? Wir hatten den See vor der Haust\u00fcr.<\/p>\n<p>Der Donnerstag geh\u00f6rte der Abholung der Startunterlagen, dem Besuch der Fahrradmesse, dem \u00fcblichen Schrauben am eigenen Rad und nat\u00fcrlich der Entspannung am und im Wasser des riesigen Sees. Au\u00dferdem konnte man sich in Ruhe mit den Zeltplatznachbarn aus Chemnitz und denen von gegen\u00fcber aus der D\u00fcbener Heide unterhalten. Die Chemnitzer wollten den Kurs mit ganz normalen Fahrr\u00e4dern bew\u00e4ltigen \u2013 Respekt. Das Wetter war perfekt, Sonne satt und nicht zu warm. Die Prognose war nicht so g\u00fcnstig, aber auch nicht schlecht. Zumindest sollte es weitgehend trocken bleiben, nicht so wie 2012 als 4000 Teilnehmer wegen schwerer Gewitter aufgeben mussten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020162_Nummerlappar_klein11.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-2480 aligncenter lazyload\" data-src=\"http:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020162_Nummerlappar_klein11-300x241.jpg\" alt=\"P1020162_Nummerlappar_klein1\" width=\"439\" height=\"353\" data-srcset=\"https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020162_Nummerlappar_klein11-300x241.jpg 300w, https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020162_Nummerlappar_klein11-160x128.jpg 160w, https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020162_Nummerlappar_klein11.jpg 625w\" data-sizes=\"(max-width: 439px) 100vw, 439px\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" style=\"--smush-placeholder-width: 439px; --smush-placeholder-aspect-ratio: 439\/353;\" \/><\/a><\/p>\n<p>Unsere Startzeit war auf Freitag 22:38 Uhr festgelegt, noch viel Zeit bis dahin. Wir versuchten es mit etwas Schlafen, denn die kommende Nacht w\u00fcrden wir auf dem harten Sattel unserer R\u00e4der verbringen. Eine Besonderheit war unser Starttermin diesmal: Erstens war Vollmond und zweitens war Freitag der dreizehnte. Ich bin nicht abergl\u00e4ubisch, aber auf abergl\u00e4ubische Gedanken konnte man schon kommen. Wir bereiteten uns gerade auf die Abfahrt vom Zeltplatz zum Start vor, als pl\u00f6tzlich Lukas wie aus dem Nichts aber wirklich alles erbrechen musste, was er den Tag \u00fcber zu sich genommen hatte. Damit waren unsere Pl\u00e4ne \u00fcber den Haufen geworfen. \u00dcberhaupt schien eine Teilnahme unter diesen Bedingungen f\u00fcr ihn nicht angeraten. Wolfgang war v\u00f6llig konsterniert und meinte resigniert: \u201eFahren wir eben zu dritt\u201c. Lukas wollte es trotzdem probieren. Also zum Start. In Mittelschweden ist es im Juni bis 23 Uhr hell. Die Nacht dauert etwa 3 Stunden, weshalb Licht an den R\u00e4dern vorgeschrieben ist. P\u00fcnktlich 22:38 Uhr ging es auf die Strecke. Der Start bei der V\u00e4tternrunde ist so organisiert, dass ab 19:30 Uhr alle zwei Minuten je 60 Radler auf die Strecke gehen, was sich in skandinavischer Gelassenheit die ganze Nacht hindurch bis Samstag 6:30 Uhr hinzieht. So wird jegliche Anfangshektik vermieden, der Wettkampfcharakter herausgenommen und der Spa\u00dffaktor erh\u00f6ht. Am Ende wei\u00df selbst der Schnellste nicht, dass er gewonnen hat, denn es gibt auch keine Ergebnisliste. Um 9 Uhr schlie\u00dflich starten die sub9-Fahrer, die den See in weniger als 9 Stunden umrunden.<\/p>\n<h1><a href=\"http:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020166_Start_klein1.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-2481 aligncenter lazyload\" data-src=\"http:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020166_Start_klein1-300x228.jpg\" alt=\"P1020166_Start_klein\" width=\"429\" height=\"326\" data-srcset=\"https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020166_Start_klein1-300x228.jpg 300w, https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020166_Start_klein1-160x121.jpg 160w, https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020166_Start_klein1-65x50.jpg 65w, https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020166_Start_klein1.jpg 625w\" data-sizes=\"(max-width: 429px) 100vw, 429px\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" style=\"--smush-placeholder-width: 429px; --smush-placeholder-aspect-ratio: 429\/326;\" \/><\/a><\/h1>\n<p>Jede 60er-Gruppe wird auf den ersten 2 km durch Motala bis zum Ortsausgang von einem vorausfahrenden Motorrad gebremst, um St\u00fcrze in der Hitze des Gefechts zu vermeiden. Danach er\u00f6ffnen manche das Feuer und st\u00fcrzen mit bis zu 40 km\/h los. Wir hatten uns auf ruhiges Fahren geeinigt, was auch sehr gut gelang, denn der Nordwestwind schob uns die ersten 100 km nach S\u00fcden bis J\u00f6nk\u00f6ping. Es war trocken und unser Tempo pendelte zwischen 28 und 35 km\/h. Lukas fiel nat\u00fcrlich als Frontfahrer aus, aber bei R\u00fcckenwind spielte das noch keine Rolle. Unterwegs kamen immer wieder Gruppen (meine Bezeichnung: Expressz\u00fcge) vorbei, an die man sich im Windschatten h\u00e4tte anh\u00e4ngen k\u00f6nnen. Manche waren uns aber auch daf\u00fcr zu schnell. Nach kurzer Rast am ersten Depot bei km 40 beschlossen wir, uns zu trennen, denn es war zu dem Zeitpunkt ungewiss, ob Lukas durchhalten w\u00fcrde. Er konnte nichts essen und hatte noch 260 km vor der Brust. Wir hingegen labten uns an Honigbr\u00f6tchen, sauren Gurken und Blaubeersuppe. Das ist der Stoff aus dem die Helden der V\u00e4tternrunde gemacht werden. An den neun Depots habe ich etwa 20 solcher (Gummi-)Br\u00f6tchen zu mir genommen. Aus der email des Veranstalters eine Woche vor dem Start: \u201eWe have refueled (Wir haben aufgetankt): 170.000 Br\u00f6tchen, 15.000 Liter Blaubeersuppe, 3 Tonnen Gurken, 10,8 Tonnen Bananen, 30.000 Liter energy drink usw.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020172_Broetchen_klein11.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-2479 lazyload\" data-src=\"http:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020172_Broetchen_klein11-300x228.jpg\" alt=\"P1020172_Broetchen_klein1\" width=\"433\" height=\"329\" data-srcset=\"https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020172_Broetchen_klein11-300x228.jpg 300w, https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020172_Broetchen_klein11-160x121.jpg 160w, https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020172_Broetchen_klein11-65x50.jpg 65w, https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020172_Broetchen_klein11.jpg 625w\" data-sizes=\"(max-width: 433px) 100vw, 433px\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" style=\"--smush-placeholder-width: 433px; --smush-placeholder-aspect-ratio: 433\/329;\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nun waren wir also nur noch zu zweit. Mit Martin suchte ich mir immer wieder eine Gruppe, mit der wir mitfuhren. Es war mittlerweile dunkel, vor uns sahen wir hunderte roter R\u00fccklichter durch die Nacht tanzen. Auf der Stra\u00dfe lagen immer wieder \u2013 noch leuchtende \u2013 Fahrradlampen, die andere Radler verloren hatten. Es w\u00e4re ein eintr\u00e4gliches Gesch\u00e4ft, diese Lampen einzusammeln und auf ebay zu verkaufen, aber obwohl kein Wettkampf, bei Tempo 30 bleibt man einfach nicht stehen um Lampen einzusammeln.<\/p>\n<p>Die rasende Schussfahrt nach J\u00f6nk\u00f6ping mit Maximalgeschwindigkeit von 58 km\/h setzte Endorphine frei. Mir war nur etwas Bange, was die Quasi-R\u00fcckfahrt am anderen Ufer des V\u00e4tternsees gegen den Wind bringen w\u00fcrde. Doch erstmal wurden am dritten Depot in einer gro\u00dfen Autowerkstatt in J\u00f6nk\u00f6ping wieder Br\u00f6tchen verzehrt. Hier gab es auch Kartoffelbrei mit K\u00f6ttbullar (Buletten) und andere \u201eDelikatessen\u201c. Auch ein neues Fahrrad h\u00e4tte man sich zusammenschrauben lassen k\u00f6nnen. Unsere R\u00e4der rollten zum Gl\u00fcck super, sodass wir den n\u00e4chsten Abschnitt in Angriff nehmen konnten. Und wir hatten gro\u00dfes Gl\u00fcck. Der Wind wehte nicht so heftig wie bef\u00fcrchtet, und wir fanden eine Gruppe, in der wir, ohne F\u00fchrungsarbeit leisten zu m\u00fcssen, herrlich mitrollen konnten. Das waren so um die 30 Fahrer, die sich zuf\u00e4llig gefunden hatten. Verschiedene Nationen waren vertreten, Schweden, Holl\u00e4nder, Norweger, Deutsche rollten eintr\u00e4chtig miteinander. So w\u00fcnschte man sich die ganze Welt. Unterwegs \u00fcberholten wir einen der Veteranen, die alle bisherigen V\u00e4tternrunden mitgefahren sind, erkennbar an seiner blauen Startnummer und dem Fahrrad mit K\u00f6rbchen vorn, Kofferradio darin und schwedischer Fahne am Gep\u00e4cktr\u00e4ger. Das sind die wahren Helden der Landstra\u00dfe.<\/p>\n<p>Leider gab es hin und wieder auch schwere St\u00fcrze. Das Gruppenfahren erfordert h\u00f6chste Konzentration, und die ist nach \u00fcber 100 km noch dazu im Dunkeln bei einigen nicht mehr gegeben. Aber unser Zug hatte sich richtig gut zusammengefunden. Schade nur, dass immer am n\u00e4chsten Depot solche Z\u00fcge auseinander fallen, weil da jeder seinen Weg geht. Zumindest waren wir jetzt schnell bis km 133 nach Fagerhult gekommen und lie\u00dfen uns Zeit, um zu essen und zu trinken. Nach einer Viertelstunde \u2013 wir wollten gerade weiter \u2013 kamen Wolfgang und Lukas. Toll, er schien doch durchzukommen.<\/p>\n<p>Da es nun empfindlich k\u00fchl wurde, fuhr ich mit Martin trotzdem allein weiter, und wieder fanden wir einen Expresszug, der noch z\u00fcgiger und zahlreicher als der vorangegangene war. Wir konnten \u00fcber 30 km mit der Truppe mitrollen, ohne einmal F\u00fchrungsarbeit \u00fcbernehmen zu m\u00fcssen. Auch ein paar Frauen waren hier mit dabei. Klar wo ich meine Position suchte;-) Ruckzuck waren wir in der Kleinstadt Hjo bei 171 km, wo es nochmal Verpflegung f\u00fcr Gourmets gab: Lasagne. Ich verzichtete darauf, aber Martin wollte es unbedingt, hatte eine kleine Hungerattacke. Also Schlange stehen, hinsetzen und genie\u00dfen. Ich genoss den feuerroten Himmel nach dem Sonnenaufgang und die einmalige Atmosph\u00e4re direkt am Seeufer. Es war 5:30 Uhr Samstagmorgen. M\u00fcdigkeit? Keine.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020174_Hjo_klein11.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-2483 lazyload\" data-src=\"http:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020174_Hjo_klein11-300x228.jpg\" alt=\"P1020174_Hjo_klein1\" width=\"385\" height=\"293\" data-srcset=\"https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020174_Hjo_klein11-300x228.jpg 300w, https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020174_Hjo_klein11-160x121.jpg 160w, https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020174_Hjo_klein11-65x50.jpg 65w, https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020174_Hjo_klein11.jpg 625w\" data-sizes=\"(max-width: 385px) 100vw, 385px\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" style=\"--smush-placeholder-width: 385px; --smush-placeholder-aspect-ratio: 385\/293;\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nach einer gef\u00fchlten halben Stunde ging es weiter. Es fanden sich zwar immer wieder kleinere Gr\u00fcppchen, aber solche Z\u00fcge wie vorher fanden wir auf der ganzen Tour nicht mehr. Es ging dennoch z\u00fcgig voran \u00fcber Karlsborg, wo bei km 204 im Schatten der Festungsanlage ein Depot auf uns wartete und Boviken bei km 225 in idyllischer Umgebung oberhalb eines Waldsees. Mit Sicherheit das sch\u00f6nste Depot, Schweden aus dem Bilderbuch bei strahlendem Sonnenschein. Und immer noch ging es uns gut.<\/p>\n<p>Danach wurde es richtig hart. Das Wetter hielt sich an die Prognose. Es hatte f\u00fcr die Morgenstunden eine Sturmwarnung gegeben. Mit Tempo 15 k\u00e4mpften wir allein gegen diese Brise an, da f\u00fchlt man sich auf dem Rennrad einsam und verloren. Tief \u00fcber den Lenker gebeugt schaute ich immer wieder nach vorn, denn ich wusste: Ab der den Nordzipfel des Sees \u00fcberspannenden Hammersundbr\u00fccke gibt es einen j\u00e4hen Richtungswechsel nach Osten und dann nach S\u00fcden, was uns kr\u00e4ftigen R\u00fcckenwind f\u00fcr die letzten 40 km versprach. Aber der Weg zog sich. Das einzig aufmunternde war, dass wir selbst mit diesem, ja \u201eTempo\u201c, noch die meisten \u00fcberholten. Hier waren einige schon schwer am Schieben. Vor einem kleinen H\u00fcgel sa\u00df eine Frau mit ihrem Rad v\u00f6llig konsterniert am Stra\u00dfenrand und \u00fcberlegte wohl, ob sie umkehren sollte. Dann die Erl\u00f6sung: Im spitzen Winkel bogen wir rechts ab, und der Fahrradcomputer zeigte 35 km\/h. Ich bin noch nie so schnell die Rampe auf die Br\u00fccke hochgefahren. In den Genuss mischte sich aber auch die Verbitterung \u00fcber einige r\u00fccksichtslose Autofahrer, mit denen wir hier die Stra\u00dfe teilen mussten. Der Ausblick von der Br\u00fccke auf den V\u00e4tternsee ist einfach traumhaft, von B\u00e4umen bestandene Sch\u00e4reninseln im blauen Wasser, auf dem vereinzelt Segelboote unterwegs waren. Hinter der Br\u00fccke am vorletzten Depot bei km 260 wurde nochmal Kraft getankt, bevor es endg\u00fcltig dem Ziel entgegen ging.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020179_Hammersund_klein11.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-2477 aligncenter lazyload\" data-src=\"http:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020179_Hammersund_klein11-300x228.jpg\" alt=\"P1020179_Hammersund_klein1\" width=\"375\" height=\"285\" data-srcset=\"https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020179_Hammersund_klein11-300x228.jpg 300w, https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020179_Hammersund_klein11-160x121.jpg 160w, https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020179_Hammersund_klein11-65x50.jpg 65w, https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020179_Hammersund_klein11.jpg 625w\" data-sizes=\"(max-width: 375px) 100vw, 375px\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" style=\"--smush-placeholder-width: 375px; --smush-placeholder-aspect-ratio: 375\/285;\" \/><\/a><\/p>\n<p>Martin spielte nun seine St\u00e4rken am Berg aus und nahm mir an jedem Anstieg 100 m ab, sodass er bald nicht mehr zu sehen war, denn die Anstiege h\u00e4uften sich nochmal. Das Depot Medevi lie\u00df ich aus, die letzten 20 km mussten auch so kommen. Ich hatte jetzt einen richtigen \u201eLutscher\u201c am Hinterrad, sah das aber nicht verbissen. Schlie\u00dflich hatte ich zuvor zig km selbst gelutscht.<\/p>\n<p>Km 293: Einbiegen auf die Hauptstra\u00dfe Richtung Motala, straffer R\u00fcckenwind, Tempo 35.<\/p>\n<p>Km 296: Ein Zug rauscht an mir vorbei, hintendran Martin, er hatte wohl im letzten Depot nochmal gehalten, \u201eLos Vater, bleib dran!\u201c<\/p>\n<p>Selbst wenn ich trete, dass das Blut aus den Zehen spritzt, kann ich nicht dran bleiben. Was soll`s?<\/p>\n<p>Km 299: Einbiegen auf die Uferstra\u00dfe in Motala, Zielsprecher ist zu h\u00f6ren, Emotionen pur<\/p>\n<p>Km 300: Es ist 11:28 Uhr, Martin steht unter dem Zielbanner, wir umarmen uns, wir sind einfach nur gl\u00fccklich, bekommen unsere Medaille umgeh\u00e4ngt,<\/p>\n<p>mein Computer zeigt 300,27 km, Netto-Fahrzeit 11:15 h, das hei\u00dft 1:35 h Pausen<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020182_Ziel_klein11.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-2476 lazyload\" data-src=\"http:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020182_Ziel_klein11-300x228.jpg\" alt=\"P1020182_Ziel_klein1\" width=\"432\" height=\"329\" data-srcset=\"https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020182_Ziel_klein11-300x228.jpg 300w, https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020182_Ziel_klein11-160x121.jpg 160w, https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020182_Ziel_klein11-65x50.jpg 65w, https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020182_Ziel_klein11.jpg 625w\" data-sizes=\"(max-width: 432px) 100vw, 432px\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" style=\"--smush-placeholder-width: 432px; --smush-placeholder-aspect-ratio: 432\/329;\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wir setzen uns ans Seeufer und lassen die qualmenden F\u00fc\u00dfe im See baumeln. Die Sonne scheint, und unaufh\u00f6rlich kommen Radler ins Ziel, Rennsteiglauf-Atmosph\u00e4re. Und dann das happy end: Nach einer Viertelstunde kommen Wolfgang und Lukas ins Ziel. Super und verr\u00fcckt. Lukas ist hier 300 km nahezu ohne Verpflegung (nur Wasser und ein paar St\u00fcck Banane) um den See gefahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020185_am_See_klein11.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-2478 lazyload\" data-src=\"http:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020185_am_See_klein11-300x228.jpg\" alt=\"P1020185_am_See_klein1\" width=\"425\" height=\"323\" data-srcset=\"https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020185_am_See_klein11-300x228.jpg 300w, https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020185_am_See_klein11-160x121.jpg 160w, https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020185_am_See_klein11-65x50.jpg 65w, https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/P1020185_am_See_klein11.jpg 625w\" data-sizes=\"(max-width: 425px) 100vw, 425px\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" style=\"--smush-placeholder-width: 425px; --smush-placeholder-aspect-ratio: 425\/323;\" \/><\/a><\/p>\n<p>Was bleibt? Kein Muskelkater \u2013 gut. Ein heftiges Stechen im Nacken \u2013 weniger gut.<\/p>\n<p>Wozu gibt es Polsterst\u00fchle? Man kann auch 12 Stunden auf einem harten Sattel sitzen, ohne dass etwas weh tut. Wozu gibt es Betten? Man kann eine ganze Nacht im Sattel verbringen. Alles eine Frage des Trainings.<\/p>\n<p>Ein Leben ohne V\u00e4tternrunde ist m\u00f6glich aber sinnlos;-))<\/p>\n<p>N\u00e4chstes Jahr die 50ste? Mal schauen. Kostet viel Zeit und Geld.<\/p>\n<p>Startgeb\u00fchr f\u00fcr ein paar Gummibr\u00f6tchen und saure Gurken: 150 Euro.<\/p>\n<p>Mir san halt alle deppert.<\/p>\n<p>Dieter Ullrich<\/p>\n<p>19.06.2014<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/V\u00e4ttern20151.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-2488 lazyload\" data-src=\"http:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/V\u00e4ttern20151-300x213.jpg\" alt=\"V\u00e4ttern2015\" width=\"662\" height=\"470\" data-srcset=\"https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/V\u00e4ttern20151-300x213.jpg 300w, https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/V\u00e4ttern20151-1024x727.jpg 1024w, https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/V\u00e4ttern20151-160x113.jpg 160w, https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/V\u00e4ttern20151-140x100.jpg 140w\" data-sizes=\"(max-width: 662px) 100vw, 662px\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" style=\"--smush-placeholder-width: 662px; --smush-placeholder-aspect-ratio: 662\/470;\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/V\u00e4tternrunde2014Bericht_mit_Bildern.pdf\">V\u00e4tternrunde2014Bericht_mit_Bildern<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>V\u00e4tternrundan, die dritte Da es uns im Gegensatz zum Vorjahr diesmal gelungen war, eine von \u00fcber 20000 Nummerlappar (schwedisch f\u00fcr Startnummern) f\u00fcr unser Vorhaben \u201efamily and friends\u201c zu ergattern, fieberten wir unserm Start bei der 49. V\u00e4tternrunde entgegen. Nachdem der friend kurzfristig hatte absagen m\u00fcssen, blieb die vierk\u00f6pfige family mit Sohn Martin, Bruder Wolfgang und Neffen Lukas \u00fcbrig. Lukas sollte uns hier etwas ziehen, wenn wir Probleme bekommen sollten, doch es kam alles ganz anders &#8211; leider. Die V\u00e4tternrunde ist gemessen an der Teilnehmerzahl die gr\u00f6\u00dfte Radsportveranstaltung der Welt f\u00fcr Amateur-Radsportler und einer der schwedischen Klassiker, wozu auch der Wasalauf und ein Langstreckenschwimmen geh\u00f6ren. Auf einem exakt 300 km langen Kurs wird dabei der zweitgr\u00f6\u00dfte See Schwedens und sechstgr\u00f6\u00dfte See Europas \u2013 der V\u00e4tternsee \u2013 im Uhrzeigersinn umrundet. Die Karte zeigt die Tour von 2007, die Kilometrierung hat sich nur geringf\u00fcgig ver\u00e4ndert. Der ganze Mittwoch ging f\u00fcr die Anreise drauf. 6 Stunden mit der F\u00e4hre \u00fcber die Ostsee und anschlie\u00dfend noch 400 km nach Norden im gem\u00fctlichen schwedischen Reisetempo von 110 km\/h fordern viel Zeit. Kurz nach Mitternacht kamen wir im Dunkeln im Startort Motala an, einer sonst verschlafenen Kleinstadt. Wir steuerten den Zeltplatz an, der noch wie ausgestorben war. Diesmal waren wir wesentlich zeitiger da als bei unseren vorangegangenen zwei Teilnahmen. So fanden wir einen wundersch\u00f6nen Platz direkt am See. Ein Bootssteg befand sich quasi vor dem Zelteingang. Wenn ich hier von Zeltplatz rede, dann stimmt das nicht ganz. Zur V\u00e4tternrunde wird rings um Motala jede gr\u00f6\u00dfere Wiese in einen Zeltplatz umgewandelt. Sanit\u00e4re Anlagen gibt es nur eingeschr\u00e4nkt (Dixies), aber wozu auch? Wir hatten den See vor der Haust\u00fcr. Der Donnerstag geh\u00f6rte der Abholung der Startunterlagen, dem Besuch der Fahrradmesse, dem \u00fcblichen Schrauben am eigenen Rad und nat\u00fcrlich der Entspannung am und im Wasser des riesigen Sees. Au\u00dferdem konnte man sich in Ruhe mit den Zeltplatznachbarn aus Chemnitz und denen von gegen\u00fcber aus der D\u00fcbener Heide unterhalten. Die Chemnitzer wollten den Kurs mit ganz normalen Fahrr\u00e4dern bew\u00e4ltigen \u2013 Respekt. Das Wetter war perfekt, Sonne satt und nicht zu warm. Die Prognose war nicht so g\u00fcnstig, aber auch nicht schlecht. Zumindest sollte es weitgehend trocken bleiben, nicht so wie 2012 als 4000 Teilnehmer wegen schwerer Gewitter aufgeben mussten. Unsere Startzeit war auf Freitag 22:38 Uhr festgelegt, noch viel Zeit bis dahin. Wir versuchten es mit etwas Schlafen, denn die kommende Nacht w\u00fcrden wir auf dem harten Sattel unserer R\u00e4der verbringen. Eine Besonderheit war unser Starttermin diesmal: Erstens war Vollmond und zweitens war Freitag der dreizehnte. Ich bin nicht abergl\u00e4ubisch, aber auf abergl\u00e4ubische Gedanken konnte man schon kommen. Wir bereiteten uns gerade auf die Abfahrt vom Zeltplatz zum Start vor, als pl\u00f6tzlich Lukas wie aus dem Nichts aber wirklich alles erbrechen musste, was er den Tag \u00fcber zu sich genommen hatte. Damit waren unsere Pl\u00e4ne \u00fcber den Haufen geworfen. \u00dcberhaupt schien eine Teilnahme unter diesen Bedingungen f\u00fcr ihn nicht angeraten. Wolfgang war v\u00f6llig konsterniert und meinte resigniert: \u201eFahren wir eben zu dritt\u201c. Lukas wollte es trotzdem probieren. Also zum Start. In Mittelschweden ist es im Juni bis 23 Uhr hell. Die Nacht dauert etwa 3 Stunden, weshalb Licht an den R\u00e4dern vorgeschrieben ist. P\u00fcnktlich 22:38 Uhr ging es auf die Strecke. Der Start bei der V\u00e4tternrunde ist so organisiert, dass ab 19:30 Uhr alle zwei Minuten je 60 Radler auf die Strecke gehen, was sich in skandinavischer Gelassenheit die ganze Nacht hindurch bis Samstag 6:30 Uhr hinzieht. So wird jegliche Anfangshektik vermieden, der Wettkampfcharakter herausgenommen und der Spa\u00dffaktor erh\u00f6ht. Am Ende wei\u00df selbst der Schnellste nicht, dass er gewonnen hat, denn es gibt auch keine Ergebnisliste. Um 9 Uhr schlie\u00dflich starten die sub9-Fahrer, die den See in weniger als 9 Stunden umrunden. Jede 60er-Gruppe wird auf den ersten 2 km durch Motala bis zum Ortsausgang von einem vorausfahrenden Motorrad gebremst, um St\u00fcrze in der Hitze des Gefechts zu vermeiden. Danach er\u00f6ffnen manche das Feuer und st\u00fcrzen mit bis zu 40 km\/h los. Wir hatten uns auf ruhiges Fahren geeinigt, was auch sehr gut gelang, denn der Nordwestwind schob uns die ersten 100 km nach S\u00fcden bis J\u00f6nk\u00f6ping. Es war trocken und unser Tempo pendelte zwischen 28 und 35 km\/h. Lukas fiel nat\u00fcrlich als Frontfahrer aus, aber bei R\u00fcckenwind spielte das noch keine Rolle. Unterwegs kamen immer wieder Gruppen (meine Bezeichnung: Expressz\u00fcge) vorbei, an die man sich im Windschatten h\u00e4tte anh\u00e4ngen k\u00f6nnen. Manche waren uns aber auch daf\u00fcr zu schnell. Nach kurzer Rast am ersten Depot bei km 40 beschlossen wir, uns zu trennen, denn es war zu dem Zeitpunkt ungewiss, ob Lukas durchhalten w\u00fcrde. Er konnte nichts essen und hatte noch 260 km vor der Brust. Wir hingegen labten uns an Honigbr\u00f6tchen, sauren Gurken und Blaubeersuppe. Das ist der Stoff aus dem die Helden der V\u00e4tternrunde gemacht werden. An den neun Depots habe ich etwa 20 solcher (Gummi-)Br\u00f6tchen zu mir genommen. Aus der email des Veranstalters eine Woche vor dem Start: \u201eWe have refueled (Wir haben aufgetankt): 170.000 Br\u00f6tchen, 15.000 Liter Blaubeersuppe, 3 Tonnen Gurken, 10,8 Tonnen Bananen, 30.000 Liter energy drink usw.\u201c Nun waren wir also nur noch zu zweit. Mit Martin suchte ich mir immer wieder eine Gruppe, mit der wir mitfuhren. Es war mittlerweile dunkel, vor uns sahen wir hunderte roter R\u00fccklichter durch die Nacht tanzen. Auf der Stra\u00dfe lagen immer wieder \u2013 noch leuchtende \u2013 Fahrradlampen, die andere Radler verloren hatten. Es w\u00e4re ein eintr\u00e4gliches Gesch\u00e4ft, diese Lampen einzusammeln und auf ebay zu verkaufen, aber obwohl kein Wettkampf, bei Tempo 30 bleibt man einfach nicht stehen um Lampen einzusammeln. Die rasende Schussfahrt nach J\u00f6nk\u00f6ping mit Maximalgeschwindigkeit von 58 km\/h setzte Endorphine frei. Mir war nur etwas Bange, was die Quasi-R\u00fcckfahrt am anderen Ufer des V\u00e4tternsees gegen den Wind bringen w\u00fcrde. Doch erstmal wurden am dritten Depot in einer gro\u00dfen Autowerkstatt in J\u00f6nk\u00f6ping wieder Br\u00f6tchen verzehrt. Hier gab es auch Kartoffelbrei mit K\u00f6ttbullar (Buletten) und andere \u201eDelikatessen\u201c. Auch ein neues Fahrrad h\u00e4tte man sich zusammenschrauben lassen k\u00f6nnen. Unsere R\u00e4der rollten zum Gl\u00fcck super, sodass wir den n\u00e4chsten Abschnitt in Angriff nehmen konnten. Und wir hatten gro\u00dfes Gl\u00fcck. Der Wind wehte nicht so heftig wie bef\u00fcrchtet, und wir fanden eine Gruppe, in der wir, ohne F\u00fchrungsarbeit leisten zu m\u00fcssen, herrlich mitrollen konnten. Das waren so um die 30 Fahrer, die sich zuf\u00e4llig gefunden hatten. Verschiedene Nationen waren vertreten, Schweden, Holl\u00e4nder, Norweger, Deutsche rollten eintr\u00e4chtig miteinander. So w\u00fcnschte man sich die ganze Welt. Unterwegs \u00fcberholten wir einen der Veteranen, die alle bisherigen V\u00e4tternrunden mitgefahren sind, erkennbar an seiner blauen Startnummer und dem Fahrrad mit K\u00f6rbchen vorn, Kofferradio darin und schwedischer Fahne am Gep\u00e4cktr\u00e4ger. Das sind die wahren Helden der Landstra\u00dfe. Leider gab es hin und wieder auch schwere St\u00fcrze. Das Gruppenfahren erfordert h\u00f6chste Konzentration, und die ist nach \u00fcber 100 km noch dazu im Dunkeln bei einigen nicht mehr gegeben. Aber unser Zug hatte sich richtig gut zusammengefunden. Schade nur, dass immer am n\u00e4chsten Depot solche Z\u00fcge auseinander fallen, weil da jeder seinen Weg geht. Zumindest waren wir jetzt schnell bis km 133 nach Fagerhult gekommen und lie\u00dfen uns Zeit, um zu essen und zu trinken. Nach einer Viertelstunde \u2013 wir wollten gerade weiter \u2013 kamen Wolfgang und Lukas. Toll, er schien doch durchzukommen. Da es nun empfindlich k\u00fchl wurde, fuhr ich mit Martin trotzdem allein weiter, und wieder fanden wir einen Expresszug, der noch z\u00fcgiger und zahlreicher als der vorangegangene war. Wir konnten \u00fcber 30 km mit der Truppe mitrollen, ohne einmal F\u00fchrungsarbeit \u00fcbernehmen zu m\u00fcssen. Auch ein paar Frauen waren hier mit dabei. Klar wo ich meine Position suchte;-) Ruckzuck waren wir in der Kleinstadt Hjo bei 171 km, wo es nochmal Verpflegung f\u00fcr Gourmets gab: Lasagne. Ich verzichtete darauf, aber Martin wollte es unbedingt, hatte eine kleine Hungerattacke. Also Schlange stehen, hinsetzen und genie\u00dfen. Ich genoss den feuerroten Himmel nach dem Sonnenaufgang und die einmalige Atmosph\u00e4re direkt am Seeufer. Es war 5:30 Uhr Samstagmorgen. M\u00fcdigkeit? Keine. Nach einer gef\u00fchlten halben Stunde ging es weiter. Es fanden sich zwar immer wieder kleinere Gr\u00fcppchen, aber solche Z\u00fcge wie vorher fanden wir auf der ganzen Tour nicht mehr. Es ging dennoch z\u00fcgig voran \u00fcber Karlsborg, wo bei km 204 im Schatten der Festungsanlage ein Depot auf uns wartete und Boviken bei km 225 in idyllischer Umgebung oberhalb eines Waldsees. Mit Sicherheit das sch\u00f6nste Depot, Schweden aus dem Bilderbuch bei strahlendem Sonnenschein. Und immer noch ging es uns gut. Danach wurde es richtig hart. Das Wetter hielt sich an die Prognose. Es hatte f\u00fcr die Morgenstunden eine Sturmwarnung gegeben. Mit Tempo 15 k\u00e4mpften wir allein gegen diese Brise an, da f\u00fchlt man sich auf dem Rennrad einsam und verloren. Tief \u00fcber den Lenker gebeugt schaute ich immer wieder nach vorn, denn ich wusste: Ab der den Nordzipfel des Sees \u00fcberspannenden Hammersundbr\u00fccke gibt es einen j\u00e4hen Richtungswechsel nach Osten und dann nach S\u00fcden, was uns kr\u00e4ftigen R\u00fcckenwind f\u00fcr die letzten 40 km versprach. Aber der Weg zog sich. Das einzig aufmunternde war, dass wir selbst mit diesem, ja \u201eTempo\u201c, noch die meisten \u00fcberholten. Hier waren einige schon schwer am Schieben. Vor einem kleinen H\u00fcgel sa\u00df eine Frau mit ihrem Rad v\u00f6llig konsterniert am Stra\u00dfenrand und \u00fcberlegte wohl, ob sie umkehren sollte. Dann die Erl\u00f6sung: Im spitzen Winkel bogen wir rechts ab, und der Fahrradcomputer zeigte 35 km\/h. Ich bin noch nie so schnell die Rampe auf die Br\u00fccke hochgefahren. In den Genuss mischte sich aber auch die Verbitterung \u00fcber einige r\u00fccksichtslose Autofahrer, mit denen wir hier die Stra\u00dfe teilen mussten. Der Ausblick von der Br\u00fccke auf den V\u00e4tternsee ist einfach traumhaft, von B\u00e4umen bestandene Sch\u00e4reninseln im blauen Wasser, auf dem vereinzelt Segelboote unterwegs waren. Hinter der Br\u00fccke am vorletzten Depot bei km 260 wurde nochmal Kraft getankt, bevor es endg\u00fcltig dem Ziel entgegen ging. Martin spielte nun seine St\u00e4rken am Berg aus und nahm mir an jedem Anstieg 100 m ab, sodass er bald nicht mehr zu sehen war, denn die Anstiege h\u00e4uften sich nochmal. Das Depot Medevi lie\u00df ich aus, die letzten 20 km mussten auch so kommen. Ich hatte jetzt einen richtigen \u201eLutscher\u201c am Hinterrad, sah das aber nicht verbissen. Schlie\u00dflich hatte ich zuvor zig km selbst gelutscht. Km 293: Einbiegen auf die Hauptstra\u00dfe Richtung Motala, straffer R\u00fcckenwind, Tempo 35. Km 296: Ein Zug rauscht an mir vorbei, hintendran Martin, er hatte wohl im letzten Depot nochmal gehalten, \u201eLos Vater, bleib dran!\u201c Selbst wenn ich trete, dass das Blut aus den Zehen spritzt, kann ich nicht dran bleiben. Was soll`s? Km 299: Einbiegen auf die Uferstra\u00dfe in Motala, Zielsprecher ist zu h\u00f6ren, Emotionen pur Km 300: Es ist 11:28 Uhr, Martin steht unter dem Zielbanner, wir umarmen uns, wir sind einfach nur gl\u00fccklich, bekommen unsere Medaille umgeh\u00e4ngt, mein Computer zeigt 300,27 km, Netto-Fahrzeit 11:15 h, das hei\u00dft 1:35 h Pausen Wir setzen uns ans Seeufer und lassen die qualmenden F\u00fc\u00dfe im See baumeln. Die Sonne scheint, und unaufh\u00f6rlich kommen Radler ins Ziel, Rennsteiglauf-Atmosph\u00e4re. Und dann das happy end: Nach einer Viertelstunde kommen Wolfgang und Lukas ins Ziel. Super und verr\u00fcckt. Lukas ist hier 300 km nahezu ohne Verpflegung (nur Wasser und ein paar St\u00fcck Banane) um den See gefahren. Was bleibt? Kein Muskelkater \u2013 gut. Ein heftiges Stechen im Nacken \u2013 weniger gut. Wozu gibt es Polsterst\u00fchle? Man kann auch 12 Stunden auf einem harten Sattel sitzen, ohne dass etwas weh tut. Wozu gibt es Betten? Man kann eine ganze Nacht im Sattel verbringen. Alles eine Frage des Trainings. Ein Leben ohne V\u00e4tternrunde ist m\u00f6glich aber sinnlos;-)) N\u00e4chstes Jahr die 50ste? Mal schauen. Kostet viel Zeit und Geld. Startgeb\u00fchr f\u00fcr ein paar Gummibr\u00f6tchen und saure Gurken: 150 Euro. Mir san halt alle deppert. Dieter Ullrich 19.06.2014 &nbsp; V\u00e4tternrunde2014Bericht_mit_Bildern<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":2410,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[93],"tags":[110],"class_list":["post-2408","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeines","tag-laufveranstaltung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2408","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2408"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2408\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2410"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2408"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2408"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/laufgruppe-lvb.bplaced.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2408"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}